Unser Grundstück in der Semmelstraße 46 spielt in der Geschichte der Würzburger SPD eine wichtige Rolle. Die Sozialdemokraten erwarben den Gebäudekomplex im Jahr 1912. Während im Vorderhaus Partei- und Gewerkschaftsbüros eingerichtet wurden, diente das Hofgebäude dem seit 1908 existierenden FRÄNKISCHEN VOLKSFREUND als Druck- und Verlagshaus. 1933 verboten die Nationalsozialisten die Zeitung, das Haus wurde beschlagnahmt und später enteignet. Erst 1958 erhielt die SPD ihr im Krieg völlig zerstörtes Eigentum zurück und errichtete auf dem Trümmergrundstück bis 1959 die jetzigen Gebäude. Zwischen September 2001 und Februar 2002 wurde das Hofgebäude umfassend saniert. Das Haus trägt heute den Namen des langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Hannsheinz Bauer, der zu den 'Vätern' der bayrischen Landesverfassung und des Grundgesetzes zählt.
Das Traditionshaus der Würzburger Sozialdemokratie ist seit 1912 Eigentum der SPD. In diesem Jahr erwarben die Würzburger Sozialdemokraten den Gebäudekomplex vom Brauhaus Würzburg. Im Vorderhaus wurde die Wirtschaft ‚Falstaff’ beibehalten und verpachtet. Außerdem beherbergte es im ersten Stock das Parteisekretariat sowie die Büros verschiedener Gewerkschaften. Im Rückgebäude befanden sich auf drei Stockwerken die Räumlichkeiten des Verlags und der Druckerei des FRÄNKISCHEN VOLKSFREUNDS.
Am 1. Oktober 1908 erschien die Zeitung FRÄNKISCHER VOLKSFREUND – SOZIALDEMOKRATISCHES ORGAN FÜR UNTERFRANKEN UND DEN REICHSTAGSWAHLKREIS BAMBERG zum ersten Mal. In Würzburg war zunächst nur ein Lokalredakteur angestellt. Bis zum Umzug des Verlags und der Druckerei in die Semmelstraße 46 im Jahr 1912, kam der allgemeinpolitische Teil als ‚Mantel’ aus Nürnberg. Die Zeitung knüpfte an die Tradition der UNTERFRÄNKISCHEN VOLKSTRIBÜNE an, der ersten selbständigen Arbeiterzeitung für den Würzburger Raum. Diese erschien ab 1891, war jedoch schon 1897 wegen finanzieller Schwierigkeiten eingestellt worden. Auch für den FRÄNKISCHEN VOLKSFREUND erwies sich der Anfang als schwierig. Doch unter der Leitung des Chefredakteurs und späteren Reichsinnenministers Willhelm Sollmann konnte sie sich konsolidieren. Nach einem kontinuierlichen Anstieg hatte die Zeitung im Jahr 1914 ca. 8.000 Leser.
Im Ersten Weltkrieg ein Sprachrohr der Kriegsgegner innerhalb der Sozialdemokratie, bezog der FRÄNKISCHE VOLKSFREUND auch während der Weimarer Republik in zahlreichen Artikeln deutlich Stellung gegen rechtsextreme und militaristische Tendenzen in der Gesellschaft. So zog etwa die Aufdeckung rechtswidriger militärischer Übungen und Mobilmachungsarbeiten ‚vaterländischer’ Vereine im Bezirk Aschaffenburg im Jahr 1923 ein einwöchiges Verbot nach sich.
Nach den Reichstagswahlen vom März 1933 wurde die Auslieferung der Zeitung behindert und das Gebäude von SA-Verbänden besetzt. Am 14. März erschien der FRÄNKISCHE VOLKSFREUND zum letzten Mal. Der NS-Staat beschlagnahmte das Verlagsgebäude, enteignete und nutzte es als Druckerei für die MAINFRÄNKISCHE ZEITUNG. Bei einem Luftangriff am 16. März 1945 wurde das Gebäude völlig zerstört.
Nach langwierigen Verhandlungen mit den bayerischen Wiedergutmachungsbehörden begann 1958 der Wiederaufbau der Semmelstraße 46. In den Neubau zog 1959 das Parteisekretariat ein, im Keller hatte die Jugendorganisation ‚Die Falken’ einige Räume. Auch die Redaktion des wieder gegründeten FRÄNKISCHEN VOLKSFREUNDS hatte dort erneut ihren Sitz. Die erste Ausgabe war bereits am 5. Februar 1949 erschienen. Der Lokalteil im Umfang von 1 bis 2 Seiten wurde in Würzburg erstellt; ‚Kopfblatt’ war die in Nürnberg erscheinende FRÄNKISCHE TAGESPOST. Ab Mai 1950 erschien die Zeitung viermal wöchentlich. Ab Dezember 1949 gab es mit Dr. Horst Krüger einen hauptamtlichen Lokalredakteur, ihm folgte im September 1950 Wilhelm Hilpert, der die Zeitung bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1962 prägte.
Im September 2001 begannen die Sanierungsarbeiten im Forum der SPD nach Plänen des Architekten Alfred Nöth. Am 14. Februar 2002 wird das Haus von der SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier eingeweiht. Es trägt den Namen des langjährigen sozialdemokratischen Landtags- und Bundestagsabgeordneten Hannsheinz Bauer.
Im Hannsheinz-Bauer-Haus wurde eine Ausstellung zur lokalen und regionalen Geschichte der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung installiert. Solche Ausstellungen sind ein integraler Bestandteil der sanierten Immobilien der Konzentration GmbH. Sie verdeutlichen die Wurzeln und demokratischen Traditionen der SPD und zeigen, dass die Sozialdemokratie wie keine andere demokratische Bewegung in Deutschland die Wertvorstellungen und Orientierungsmuster von Aufklärung und individueller und sozialer Emanzipation aus der Geschichte in die Gegenwart transformiert hat.
Die Ausstellung im Hannsheinz-Bauer-Haus erzählt in Wort und Bild die Geschichte des ehemaligen Verlagsstandortes des FRÄNKISCHEN VOLKSFREUNDS. Zudem wird mit Wilhelm Sollmann, Fritz Endres, Franz Schmitt und Theodor Drey an herausragende Persönlichkeiten der örtlichen SPD erinnert.
Wilhelm Sollmann war in den Jahren 1912-1913 Chefredakteur des FRÄNKISCHEN VOLKSFREUNDS. Fritz Endres, 1914-1919 Vorsitzender der Würzburger SPD, war ebenso wie Franz Schmitt langjähriges Mitglied des bayerischen Landtags. Theodor Drey fungierte während der Weimarer Republik als Parteisekretär im Unterbezirk Würzburg. Für seinen aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus nach 1933 wurde er zu insgesamt viereinhalb Jahren Zuchthaus und KZ-Haft in Dachau verurteilt.
Weitere Bilder zeigen den ehemaligen Zweiten Bürgermeister von Würzburg Georg Sittig sowie die langjährigen sozialdemokratischen Landtags- bzw. Bundestagsabgeordneten Gerda Laufer und Bruno Friedrich. Der Namensgeber Hannsheinz Bauer zählt als Mitglied der verfassunggebenden Landesversammlung 1946 und des Parlamentarischen Rates 1948 zu den wenigen Politikern, die auf föderaler und auf bundesstaatlicher Ebene die zweite deutsche Demokratie begründeten.